06.09

Die Ausstellung 1/1/1/1/1, die in Zusammenarbeit zwischen der preisgekrönten polnischen Kunstkuratorin Anda Rottenberg und dem hervorragenden Künstler Mirosław Bałka entstand, eröffnet das Kunstprogramm von OP ENHEIM, einem neuen Kulturzentrum im Herzen Breslaus, das seinen Sitz in einem historischen Haus am Plac Solny/Salzmarkt hat. Im Zusammenhang damit finden dort am 19. und 20. Oktober auch ein Künstlertreffen, ein kulturwissenschaftlicher Vortrag von Dr. Piotr J. Fereński und ein Konzert von Jasmine Guffond statt.

Ein neues Kulturzentrum in Wrocław/Breslau

OP ENHEIM besteht aus einer Kunstgalerie im ersten Stock des historischen Hauses und aus dem Salon Herz, der sich im schönen Dachgeschoss mit Terrasse und Blick über die Dächer der Altstadt befindet und Ort diverser Kulturveranstaltungen wie Lesungen, Künstlerabende und Konzerte ist. „Das Ziel unserer Stiftung ist Kunstförderung durch Entwicklung der Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen in Breslau, Berlin und anderen europäischen Städten”, sagt die Kunstdirektorin Kama Wróbel. „Wir sind an Projekten interessiert, die auf eine engagierte, undurchschnittliche Weise zum Kommentieren der uns umgebenden Wirklichkeit bewegen. Dabei richtet OP ENHEIM sein besonderes Augenmerk auf die Dynamik der sich vollziehenden identitätsbezogenen, kulturellen und historischen Wandlungen, was auch in unserer Eröffnungsausstellung von Mirosław Bałka zum Ausdruck kommt. Seine Kunst knüpft an die Geschichte des ehemaligen Oppenheim-Hauses und seiner Bewohner an.”

– Das barocke Gebäude am Breslauer Salzmarkt hat eine lange Geschichte. Ihr neues Kapitel beginnt heute in den leeren Räumen der repräsentativen, ersten Etage, deren weiße Wände mit gelbem, glitzerndem Gas in zerbrechlichen Neonröhren tätowiert wurden. Die Komposition von Mirosław Bałka als Eröffnungsausstellung der Kunstgalerie OP ENHEIM hat einen sehr besonderen Charakter. Sie besteht aus vier Neoninstallationen, die sich in das Wort „Heimat” auf Polnisch, Deutsch, Hebräisch und Lateinisch fügen. In jeder Sprache hat der Begriff einen anderen Klang. Dadurch wird das Konzept eines Einzelnen innerhalb einer Vielfalt widerspiegelt: es sind in visueller Hinsicht vier unterschiedliche Wörter, die sich bei ihrer identischen Bedeutung durch ihre Aussage unterscheiden. Die Bewohner dieses Hauses konnten doch im Wandel der Jahrhunderte den Begriff der Heimat unterschiedlich gesehen haben. Und diese unterschiedlichen Schattierungen des Begriffs fanden ihren Ausdruck in den von ihnen gesprochenen Sprachen – schreibt in ihrem Kommentar Anda Rottenberg, die Kuratorin der Ausstellung. Die Vernissage findet am 19. Oktober um 18:30 Uhr statt.

Begegnung mit Kunst im Salon Herz

Am Samstag, dem 20. Oktober, lädt OP ENHEIM ins Dachgeschoss des Hauses am Salzmarkt ein. Im dortigen Salon Herz finden ausstellungsbegleitende Veranstaltungen statt: darunter ein Künstlertreffen mit Teilnahme von Mirosław Bałka und Anda Rottenberg sowie ein Vortrag des Kunstwissenschaftlers Dr. Piotr Jakub Fereński zum Thema „Staat und Stadt als Raum von Begegnungen und Spaltungen. Botschaft der Kunstwerke von Mirosław Bałka”. Die Vorlesung soll Anlass zum Nachdenken darüber werden, ob die Kunst über genügend Elan und Gewicht verfügt, um Lautlosigkeit, Vergessenheit, Gleichgültigkeit zu überwinden, und auch ob die Mittel des künstlerischen Ausdrucks sich als Werkzeuge in einer Kampagne gegen allerlei Ausgrenzung, Marginalisierung, symbolische Gewalt, Repressionen bewähren können. Diese Überlegungen finden ihr Finale in einem Konzert, das die feierliche Eröffnung von OP ENHEIM krönt. Die in Berlin residierende Tonkünstlerin und Komponistin Jasmine Guffond wird ihr Sonderprojekt, das durch die Ausstellung von Mirosław Bałka inspiriert wurde, präsentieren.

Die Geschichte des Hauses

Das Haus am Salzmarkt 4, in dem die Eröffnungsausstellung von OP ENHEIM stattfindet, ist ein besonderer Ort. Es gehört zu den wenigen Bauten innerhalb der Breslauer Altstadt, die die Bombardierungen während der Kämpfe um Festung Breslau unbeschädigt überstanden haben. Seine Geschichte geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Ab 1810, als das Haus zum Besitz des Bankiers Heymann Oppenheim wurde, fungierte es als Bank und zugleich als Familienresidenz der Oppenheims. Später war es ein wichtiges Wohlfahrtszentrum der Breslauer jüdischen Gemeinde. Über 40 Jahre lang befand sich im Erdgeschoss des Hauses das berühmte Schuhgeschäft der Familie Herz, das seine Waren auch weltweit verschickte. Der Zweite Weltkrieg setzte eine traurige Zäsur im Leben der Hausbewohner. Eine Chance, ein neues Kapitel in seiner Geschichte zu schreiben, tauchte erst 2013 auf, als „das Grüne Haus” am Plac Solny in die Hände der Stiftung OP ENHEIM überging. Anschließend begann ein mehrjähriger, sorgfältiger Sanierungs- und Restaurierungsprozess. Die charakteristische, grüne Fassade aus den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde anhand von historischen Referenzobjekten restauriert und mit dem barocken Stil des Hauses farblich abgestimmt. Wohlerhalten blieben auch die aus unterschiedlichen Epochen stammenden Fragmente der Freskos im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Stock. Die polychromen Malereien können tagsüber im Inneren des Restaurants „Fuzja na Solnym“ bewundert werden. Die in den Jahren 2013-2018 durchgeführte Sanierung gilt als eins der besten Beispiele derartiger Maßnahmen und als erfolgreiches Restaurierungsvorbild.

Das zweite Leben des Oppenheim-Hauses

In den Räumlichkeiten des historischen Oppenheim-Hauses hat nicht nur die Stiftung OP ENHEIM ihren Sitz, sondern auch ihre Partner: Krzyżowa Music, Europa-Forum (Deutsch-Polnischer Wirtschaftskreis), Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz. In dem Gebäude befindet sich auch eine Wohnung für Residenzkünstler, deren Tätigkeit – parallel zu den von der Stiftung präsentierten Werken – das künstlerische Programm von OP ENHEIM bereichern wird, während für Gaumenfreude zwei besondere Lokale im Erdgeschoss – das Restaurant Fuzja na Solnym und das Bema Café – sorgen sollen. Dank der Präsenz all dieser Akteure und dank kulturell-künstlerischer Aktivitäten fängt das Oppenheim-Haus wieder an, vor Leben zu pulsieren.

Für alle ausstellungbegleitenden Veranstaltungen gilt freier Eintritt. Besucherzahl ist beschränkt.