{"id":10431,"date":"2025-03-28T12:32:02","date_gmt":"2025-03-28T11:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/openheim.org\/pl\/?page_id=10431"},"modified":"2026-03-20T15:30:43","modified_gmt":"2026-03-20T14:30:43","slug":"unruhe-inkantacje","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/openheim.org\/de\/wystawy\/aktualne\/unruhe-inkantacje\/","title":{"rendered":"Unruhe | Krzy\u015b Bykowski, Aliaksandr Danilkin, Iza Michniowska | Ausstellung zum Abschluss des Mentoringprogramms OP_YOUNG #6 und Inkantationen \/ Mateusz Gromadzki"},"content":{"rendered":"<p><strong>Unruhe | Krzy\u015b Bykowski, Aliaksandr Danilkin, Iza Michniowska | <\/strong><strong>Ausstellung zum Abschluss des Mentoringprogramms OP_YOUNG #6<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Inkantationen |<\/strong><\/em><strong> Mateusz Gromadzki<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kuratorin:<\/strong> Paulina Breli\u0144ska-Garsztka<br \/>\n<strong>Ausstellungsdauer:<\/strong> 13.03-10.05.2026<\/p>\n<div>\n<p>Ausgangspunkt der Ausstellung Unruhe ist der Film Metropolis von Fritz Lang, dessen modernistische Zukunftsvision zur Zeit der Premiere die \u00c4ngste des 20. Jahrhunderts b\u00fcndelte. Lang verlegte die Handlung in das Jahr 2026 und entwarf eine Welt, die Mechanisierung, Arbeitshierarchien, Macht und radikale Entfremdung zur Norm erhebt. Heute, da dieses Datum kein futuristischer Horizont mehr ist, kehrt die filmische Imagination als Bezugspunkt realer, gegenw\u00e4rtiger Erfahrung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Ausstellung konfrontiert Metropolis mit einem Gef\u00fchl von Unruhe, das nicht mehr als Vorahnung eines kommenden Krisenmoments erscheint und auch nicht als warnende Konstruktion ausgedacht werden muss, sondern l\u00e4ngst in das allt\u00e4gliche Funktionieren von Individuen und Gemeinschaften eingeschrieben ist. Unruhe wird hier nicht punktuell verstanden, sondern als Zustand, der sich in die Zeit streckt \u2013 als Hintergrund von Denken, Handeln und Empfinden. Der Titel Unruhe, das deutsche Wort f\u00fcr fehlende Ruhe, f\u00fcr Nicht-Ausruhen und ein dauerhaftes Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten, beschreibt kein kurzfristiges Angespanntsein und keine blo\u00dfe emotionale Reaktion. Er benennt eine Gegenwart, in der das Innehalten schwer erreichbar ist und Wachheit, Druck und Anspannung zur Norm werden. Unruhe ist in diesem Sinn die Erfahrung eines Lebens im Takt der Beschleunigung und der Tyrannei des M\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig taucht in diesem Zusammenhang auch das deutsche Wort Unruh auf \u2013 das Schwungrad, das den Gang der Zeit in der Uhr reguliert. Seine Bewegung kommt nie zum Stillstand. Einen \u00e4hnlichen Rhythmus setzt die Ausstellung: Sie arbeitet mit Wiederholung, Spannung und fragilen Strukturen \u2013 k\u00f6rperlichen ebenso wie gesellschaftlichen. Wiederkehrende k\u00fcnstlerische Verfahren greifen dabei auf beunruhigende Formgef\u00fcge, nat\u00fcrliche Materialien und symbolisch gefasste Rituale zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist der Abschluss der sechsten Edition des Mentoringprogramms OP_YOUNG, das seit 2020 f\u00fcr junge K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler mit Bezug zu Niederschlesien realisiert wird. Das Programm entstand aus dem Bed\u00fcrfnis, die lokale Kunstszene zu st\u00e4rken und ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Raum der kritischen und k\u00fcnstlerischen Debatte des Landes einzubinden. Besonderer Dank gilt der Berliner Notar- und Rechtskanzlei GENTZ, die erneut die Rolle des M\u00e4zens der Ausstellung und des Mentoringprogramms \u00fcbernimmt und damit konsequent die Entwicklung der jungen Kunstszene unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>________<\/p>\n<p>Die Ausstellung <em>Inkanta<\/em><em>cje<\/em> (Inkantationen\/Anrufungen) speist sich aus der pers\u00f6nlichen Biografie des K\u00fcnstlers, die zum Instrument wird, um den breiteren Zustand des heutigen Subjekts zu beschreiben \u2013 eines Subjekts, das in einer Welt permanenten Spannungszustands funktioniert. Der K\u00fcnstler greift auf magische und volkskulturelle Praktiken zur\u00fcck \u2013 als lebendiges Reservoir von Strategien des \u00dcberlebens. Seine Kunst \u00fcbernimmt die Funktion eines intimen Rituals, tief in der k\u00fcnstlerischen Praxis verwurzelt. Der Ausstellungsraum wirkt wie eine Inkantation: ein wiederholbarer Gestus, der Versuch, auf die Realit\u00e4t einzuwirken \u2013 selbst wenn seine Wirksamkeit weder unmittelbar noch messbar ist.<\/p>\n<p>Aus dem Bewusstsein von Ohnmacht und zugleich dem Bed\u00fcrfnis zu handeln entsteht die Stimmung dieser Schau, die aus Objekten besteht, die in einer eigens entwickelten Technik gefertigt wurden. Die in diesem Prozess entstehenden Arbeiten werden zu autonomen Wesen \u2013 zusammengesetzt sowohl aus lebendigen Fragmenten als auch aus \u00dcberresten. So er\u00f6ffnet die Kunst einen gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr die Konfrontation mit dem Verdr\u00e4ngten. Wie der K\u00fcnstler betont, ist es ein Abstieg in eine mentale Krypta, in der sich Angst, Ersch\u00f6pfung und Hilflosigkeit verdichten \u2013 und in der dennoch die M\u00f6glichkeit bleibt, Leben zu entfachen.<\/p>\n<p>Im Hintergrund dieser Erz\u00e4hlung steht die Erfahrung kollektiver Verdr\u00e4ngung, verflochten mit einem Gef\u00fchl der Machtlosigkeit. Der K\u00fcnstler ruft das Bild eines Eisbergs auf, der \u00fcber die Oberfl\u00e4che auftaucht und erstarrt, w\u00e4hrend die Zeit vom monotonen Klang fallender Tropfen getaktet wird. Es ist eine Metapher f\u00fcr einen Zustand des Stillstands, in dem das Bewusstsein f\u00fcr die Krise nicht ins Handeln f\u00fchrt, sondern zu einer chronischen Belastung von K\u00f6rper und Psyche. Die \u00f6ko-magischen Strategien, die in den Arbeiten erscheinen, dienen weder der \u00c4sthetisierung der Katastrophe noch einem \u201eLachen unter Tr\u00e4nen\u201c. Sie sind der Versuch, in einer Welt ohne einfache L\u00f6sungen Atem zu finden. Die \u00dcberf\u00fchrung magischer Praktiken in das Feld der Gegenwartskunst wird hier als Form der Selbstermutigung gelesen. Der K\u00fcnstler ist sich bewusst, dass diese Handlungen keine direkte \u00dcbersetzung in die Realit\u00e4t haben \u2013 ihre Wirkung kann sich allenfalls in der emotionalen Sph\u00e4re entfalten. Die titelgebende Inkantation\/Anrufung ist zugleich Beschw\u00f6rung und Entzauberung der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Ein zentraler Strang der Ausstellung ist die Frage nach Wegen, Gleichgewicht zur\u00fcckzugewinnen. Der K\u00fcnstler erkundet Zonen zwischen K\u00f6rper und Geist und einer \u00fcberlasteten, gemeinsamen Allt\u00e4glichkeit. Inkantationen schlagen ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von Wohlbefinden vor: Es ist kein individueller Zustand, sondern entsteht aus Wechselbeziehungen. Die Begegnung mit Materie \u2013 pflanzlicher, tierischer, mineralischer \u2013 wird in dieser Ausstellung zum Ma\u00df unserer zivilisatorischen Reife und zur Frage nach der Zukunft der Spezies.<\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler richtet mit seiner Ausstellung an das Publikum die Frage: Was ist von dem Verst\u00e4ndnis von Spiritualit\u00e4t und Ritualen fr\u00fcherer Generationen heute noch geblieben?<\/p>\n<p><em><strong>Paulina Breli\u0144ska-Garsztka<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>_____________________<\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\"><strong>Kuratorin: <\/strong>Paulina Breli\u0144ska-Garsztka<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Koordynacja i produkcja:<\/strong> Agnieszka \u015arutwa, Joanna Po\u015blednia<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Promocja:<\/strong> Natalia Gaj<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Identyfikacja wizualna:<\/strong> Jurek Mossakowski<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Realizacja:\u202f<\/strong>Dariusz B\u0142a\u017cowski, Wojciech Siewior<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Redakcja:<\/strong> Agnieszka \u015arutwa<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>T\u0142umaczenie:<\/strong> Karol Waniek, Volkmar Umlauft<\/span><span data-ccp-props=\"{}\"><br \/>\n<\/span><span data-contrast=\"auto\"><strong>Wsp\u00f3\u0142praca:<\/strong> Iga Miku\u015bkiewicz, Magdalena Musia\u0142, Polina Nestrenko, Walentyna Shaiko, Ivan Shpak, Agnieszka Wr\u00f3blewska<\/span><span data-ccp-props=\"{}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Veranstalter: <\/strong>OP ENHEIM, VOP<br \/>\n<strong>M\u00e4zen:<\/strong> GENTZ<br \/>\n<strong>Ehrenm\u00e4zen:<\/strong> WOMAK Holding<br \/>\n<strong>Partner: <\/strong>OPEN Reklama Oksana Solnik-Krzy\u017canowska, Heinle, Wischer und\u00a0 Partner Architekci, KEIM<br \/>\n<strong>Medienpartner:<\/strong> Magazyn SZUM, Notes Na\u00a06 Tygodni, Pismo Artystyczne Format, Radio LUZ, Presto, PLNDesign.pl, Artinfo.pl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unruhe | Krzy\u015b Bykowski, Aliaksandr Danilkin, Iza Michniowska | Ausstellung zum Abschluss des Mentoringprogramms OP_YOUNG #6 Inkantationen | Mateusz Gromadzki Kuratorin: Paulina Breli\u0144ska-Garsztka Ausstellungsdauer: 13.03-10.05.2026 Ausgangspunkt der Ausstellung Unruhe ist der Film Metropolis von Fritz Lang, dessen modernistische Zukunftsvision zur Zeit der Premiere die \u00c4ngste des 20. Jahrhunderts b\u00fcndelte. Lang verlegte die Handlung in das Jahr 2026 und entwarf eine Welt, die Mechanisierung, Arbeitshierarchien, Macht und radikale Entfremdung zur Norm&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":11620,"parent":605,"menu_order":8,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-10431","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10431"}],"version-history":[{"count":112,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10431\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11753,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10431\/revisions\/11753"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/openheim.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}