Unruhe | Krzyś Bykowski, Aliaksandr Danilkin, Iza Michniowska | Ausstellung zum Abschluss des Mentoringprogramms OP_YOUNG #6

Ausgangspunkt der Ausstellung Unruhe ist der Film Metropolis von Fritz Lang, dessen modernistische Zukunftsvision zur Zeit der Premiere die Ängste des 20. Jahrhunderts bündelte. Lang verlegte die Handlung in das Jahr 2026 und entwarf eine Welt, die Mechanisierung, Arbeitshierarchien, Macht und radikale Entfremdung zur Norm erhebt. Heute, da dieses Datum kein futuristischer Horizont mehr ist, kehrt die filmische Imagination als Bezugspunkt realer, gegenwärtiger Erfahrung zurück.

Kuratorin: 𝐏𝐚𝐮𝐥𝐢𝐧𝐚 𝐁𝐫𝐞𝐥𝐢𝐧́𝐬𝐤𝐚-𝐆𝐚𝐫𝐬𝐳𝐭𝐤𝐚
Galerie OP ENHEIM, Plac Solny 4, Wrocław
▪️Ausstellungsdauer: 13.03-10.05.2026

Die Ausstellung konfrontiert Metropolis mit einem Gefühl von Unruhe, das nicht mehr als Vorahnung eines kommenden Krisenmoments erscheint und auch nicht als warnende Konstruktion ausgedacht werden muss, sondern längst in das alltägliche Funktionieren von Individuen und Gemeinschaften eingeschrieben ist. Unruhe wird hier nicht punktuell verstanden, sondern als Zustand, der sich in die Zeit streckt – als Hintergrund von Denken, Handeln und Empfinden. Der Titel Unruhe, das deutsche Wort für fehlende Ruhe, für Nicht-Ausruhen und ein dauerhaftes Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten, beschreibt kein kurzfristiges Angespanntsein und keine bloße emotionale Reaktion. Er benennt eine Gegenwart, in der das Innehalten schwer erreichbar ist und Wachheit, Druck und Anspannung zur Norm werden. Unruhe ist in diesem Sinn die Erfahrung eines Lebens im Takt der Beschleunigung und der Tyrannei des Möglichen.

Nicht zufällig taucht in diesem Zusammenhang auch das deutsche Wort Unruh auf – das Schwungrad, das den Gang der Zeit in der Uhr reguliert. Seine Bewegung kommt nie zum Stillstand. Einen ähnlichen Rhythmus setzt die Ausstellung: Sie arbeitet mit Wiederholung, Spannung und fragilen Strukturen – körperlichen ebenso wie gesellschaftlichen. Wiederkehrende künstlerische Verfahren greifen dabei auf beunruhigende Formgefüge, natürliche Materialien und symbolisch gefasste Rituale zurück.

Der menschliche Körper – ebenso wie die „Körper“ der ausgestellten Arbeiten – fungiert als Medium, in dem Spuren von Unruhe sichtbar werden: Angst, Müdigkeit, Trauma. Von dieser körperlichen Perspektive aus entfaltet sich eine Reflexion über das Verhältnis von Zeit, Systemen und menschlicher Sensibilität. Die gezeigten Bilder und Objekte beziehen sich auf eine futuristische Bildwelt, verzichten jedoch auf direkte Filmzitate: Unruhe bleibt als Grundspannung in einer Ausstellung präsent, die aus den Arbeiten dreier künstlerischer Individuen besteht. Jedes Gewebe, jede Falte, jede Materialknickung, jedes Ornament und jede plastische Wölbung öffnet einen Raum, in dem volkskulturelle Motive, persönliche Erfahrung und Naturbezüge auf unterschiedliche Weise zusammenkommen.

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Iza Michniowska

Die Installation von Iza Michniowska im ersten Raum setzt bei Körperlichkeit und Krankheit an. Zwei bestickte Stickrahmen, verbunden durch einen roten Faden, bilden eine vertikale Achse der Spannung zwischen Boden und Decke. Der Faden ist nicht nur Geste des Verbindens, sondern Zeichen von Fluss, Blutkreislauf und einer Gewalt, die in lebendige Materie eingeschrieben ist. Die Arbeit verweist zugleich auf die individuelle Erfahrung der Künstlerin und auf eine universelle Sprache der Biologie, in der der Körper zum Archiv von Traumata wird.

Im nächsten Raum wird die Erzählung verdichtet und schärfer. Artefakte treten hervor, die sich mit der Vergangenheit der beteiligten Künstler*innen auseinandersetzen. Ein kleinerer Stickrahmen Michniowskas trägt die Spur einer realen Beschädigung: Das Material wurde geschnitten, verletzt; der entstandene Spalt scheint allmählich zu vernarben. Die Wunde verschwindet nicht – sie geht in einen Prozess des Heilens über.

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Krzyś Bykowski

Im Kontrast dazu steht die Malerei von Krzyś Bykowski. Seine abstrakten Leinwände beziehen sich auf Architektur, auf Erosionsprozesse, Zerstörung und langsame Regeneration. Natürlich gefärbte Materialien, Laufspuren und verwaschene Grenzen erinnern an Zerfallszeichen urbaner Mauern, die Stabilität und Kohärenz verlieren. Die Materie überschreitet den Rahmen, entzieht sich der Konstruktion – als würde die Architektur sozialer und politischer Systeme unter ihrem eigenen Gewicht brüchig. Das Gefühl von Spannung wird durch die hölzerne Konstruktion der Leinwände verstärkt: Sie hält das aufgespannte Leinen in dauerhaftem Zug, als könnte das Material jederzeit reißen.

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Aliaksandr Danilkin

Im selben Raum befinden sich Objekte von Aliaksandr Danilkin, der Motive belarussischer Volkskunst und eine im Landschaftsgedächtnis verankerte Gewaltgeschichte aufgreift. Er verweist auf das Bild des „roten Hahns“ – die Brandstiftung als Akt der Rache. Während des Zweiten Weltkriegs brannten sowjetische Kommandeure wiederholt Häuser in Belarus nieder, damit nichts in deutsche Hände fiel, ohne zu berücksichtigen, dass sich in diesen Gebäuden noch Menschen befanden. Diese Erfahrung systemischer Brutalität und eines repressiven Regimes bildet einen harten Resonanzraum. Daneben stehen Skulpturen aus Brot – einem fragilen, organischen Material und Symbol des Lebens.

Die Ausstellung ist der Abschluss der sechsten Edition des Mentoringprogramms OP_YOUNG, das seit 2020 für junge Künstlerinnen und Künstler mit Bezug zu Niederschlesien realisiert wird. Das Programm entstand aus dem Bedürfnis, die lokale Kunstszene zu stärken und ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Raum der kritischen und künstlerischen Debatte des Landes einzubinden. Besonderer Dank gilt der Berliner Notar- und Rechtskanzlei GENTZ, die erneut die Rolle des Mäzens der Ausstellung und des Mentoringprogramms übernimmt und damit konsequent die Entwicklung der jungen Kunstszene unterstützt.
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Veranstalter: OP ENHEIM, VOP
Mäzen: GENTZ
Ehrenmäzen: WOMAK Holding
Partner: OPEN Reklama Oksana Solnik-Krzyżanowska, Heinle, Wischer und  Partner Architekci, KEIM
Medienpartner: Magazyn SZUM, Notes Na 6 Tygodni, Pismo Artystyczne Format, Radio LUZ, Presto, PLNDesign.pl, Artinfo.pl